Pressestimmen
Am Samstagabend ging die seit dem 19. Februar in Rotenburg laufende Veranstaltung mit zahlreiche Ausstellungen, Konzerte, Andachten, Lesungen und Vorträge zum Thema Tod und Sterben zu Ende.
Den krönenden Abschluss der Konzeptwochen besorgte schließlich der Kabarettist Andreas Hauffe im Auditorium des Kantor Helmke Hauses mit seinem Programm „Der Tod ist ein Charakterschwein“. Ungehemmt greift Hauffe darin das Thema Tod auf und holt mit beißendem Wortwitz zum großen Rundumschlag aus. Vom Ex-Präsidenten der Vereinigten Staaten, dessen Intelligenz von der eines Pferdes überboten wird, über die Zielgruppen privater Fernsehsender, bis zum Papst auf Deutschlandreise, der dort „das Sexualleben seiner Mitarbeiter einzudämmen“ versucht. Ein schmaler Grat, auf dem der Künstler wandelt, doch er verlässt ihn zu keinem Zeitpunkt. Geboten wird tiefgründiges, hartes, teilweise sogar politisches Kabarett. Mit Gesang und Gitarre zieht er die rund 150 Zuschauer in seinen Bann. Die Botschaft ist klar: Den Tod nicht zu ernst nehmen. Mit einem Lächeln auf den Lippen traten die Besucher wieder hinaus in den Regen - welch großartige Symbolik.
Für diesen Abend hat Andreas Hauffe seinen musikalischen Durchbruch geplant. 42 Jahre lang hat der Kabarettist und Liedermacher an seinem Erfolg gearbeitet. Am Sonnabend stand der Mann aus Remagen im Rheinland im Apex mit seinem Programm „songs in german – Geld verdienen mit Musik“ auf der Bühne. Gitarre, Schirmmütze, hellbraune Tuchhose mit passender Weste, braune Schuhe. Stilbruch ist einzig das schwarze T-Shirt unterm feinen Zwirn.Das – so stellt sich später heraus – soll zum Indikator seines Erfolgs werden. „Wenn das T-Shirt in Flammen aufgeht, dann ist mein musikalischer Durchbruch geschafft. Auf dem Shirt ist eine Skala appliziert, die bei Applaus leuchtet.
Hauffe singt in Rubriken über Gesellschaft, Krankheit, Tod, Religion, Politik, Reisen und Erotik („Ein heikles Thema, das wird nicht für alle erfreulich“, verspricht er). Trockenen Humor nennt Hauffe sein Markenzeichen. Den hat er zweifellos, wenn er über den eigenen Tod sinniert: „ Jeder muss mal sterben – vielleicht auch ich.“
Auch sein Blues über die Zipperlein, mit denen man bei Traumfrauen nicht punkten kann, weil die für Gewöhnlich nichts für geschwollene Gichtkrallen übrig haben, kommt selbstironisch und witzig daher. Daneben schlägt Hauffe immer wieder auch leise Töne an. Sein Lied über den Tod einer Freundin rührt die Zuschauer zum Teil zu Tränen.
Der zweite Teil des Programms ist weniger schwermütig. Wie bei fast allen Kabarettisten derzeit, kommt die Sprache auf Mario Barth. Hauffes Schreckensvision: Barth bekommt mit Cindy aus Marzahn zwölf Kinder (sechs sehen aus wie Cindy, die anderen sechs wie Mario) und die bekommen untereinander auch wieder Kinder, so dass am Ende die Welt bevölkert ist mit Cindys und Marios.
Um Anerkennung muss sich Hauffe keine Sorgen machen. Sein T-Shirt steht am Schluss seines gut zweistündigen extrem unterhaltsamen, kurzweiligen und streckenweise sentimentalen Programms zwar nicht in Flammen, aber der Beifall erreicht immerhin Spitzenwerte auf dem Applausometer.
Der Pfützentrinker hat eine schlimme Kindheit: Die Mutter ist Prostituierte, die beste Schulfreundin läßt ihn nach einem bösen Streich im Stich, in einer neuen Schule gerät er in den Einfluß eines Schlägers. Wenn seine Mutter übers Wochenende in der Stadt „arbeitet“, wird er zu seiner Tante aufs Land gebracht. Dort verliebt er sich in Marie, jedoch höchst unglücklich, denn das Mädchen zieht in die Stadt, was die Aussicht auf präpubertäre Entdeckungen zunichte macht. Ein geistig behinderter Nachbarsjunge wird zum Spielzeug, der Hund der Tante zum Ziel der kindlichen Rache. Letztlich dienen die Hühner dem angehenden Metzgerlehrling als Übungsmaterial.
In der Hauptsache erfährt er Ablehnung. Kümmert sich jemand wirklich um ihn, so ist es schließlich die Polizei. Er unterhält Kontakte zu Gescheiterten, die entweder im Heizungskeller hausen oder sich als Straßenmusiker verdingen. Sie alle haben Ziele oder zumindest welche gehabt. Er selbst hat auch eines: Marie, die unerfüllte Liebe seiner Jugendtage. Doch er findet sie nicht. Sein einziges wirkliches Ziel bleibt für ihn unerreichbar, so daß er mit sich selbst und seinen Stimmen allein in einer Welt zurechtkommen muß, deren Regeln er nicht so recht versteht.
Die unüberbrückbare Leere als krasse Realität
Alles, was der Pfützentrinker unternimmt, tut er aus sich heraus, denn die Vorbilder fehlen ihm. Er schlägt einen Lebensweg ein, wie er aus seiner Sicht gangbar ist. Das ist das einzige, was ihm zum Überleben übrigbleibt, denn niemand hat ihn jemals geführt und ihm die Welt erklärt, niemand hat ihn uneigennützig und bedingungslos angenommen. Diese fehlende Sozialisation hinterläßt eine tiefe Leere, die er nicht zu füllen vermag. Er kann sie auch nicht überbrücken, denn es fehlt ihm am nötigen Weitblick. Eines aber weiß er sicher: Das „Hinterher“ ist schlimm, davor sollte man sich hüten.
Aus dieser Einsicht kann er jedoch keinen Nutzen ziehen, da es ihm an der nötigen Reflexionsfähigkeit mangelt. Die emotionale und damit auch soziale Leere in seinem Leben bleibt ein klaffender Abgrund, in den er immer wieder hineinzufallen droht. Das führt letzten Endes zur Katastrophe.
Logik ohne Fundament
Die Geschichte eines Jungen, dem das Leben jegliche gesunde soziale Bindung versagt, ist schonungslos naturalistisch. Die Figuren und Handlungen werden ungeschönt und trocken vorgeführt, die grotesken Bilder sind scharf und in keinem Flecken retuschiert. Es gibt zeitliche Sprünge und Rückblenden, eingeflochten in den Lauf der Geschichte, was sie lebendig und direkt macht. Hinzu kommt Andreas Hauffes Lesestil, der den Pfützentrinker in all seinen Gedanken und Zweifeln zum Leben erweckt.
Dessen Überlegungen und Ansichten erhalten somit einen ungeheuer ernsten Anstrich, obwohl sie doch, bei aller Tragik, vor Naivität und geistiger Unreife nur so strotzen. Das ist brillant: der Zuhörer sieht sich auf diese Weise mit einer Weltsicht unweigerlich und auch unausweichlich konfrontiert, die seinen eigenen Maßstäben vollkommen entgleitet: der Vorleser bietet nämlich keinen Anker mehr, um die Geschichte aus der Entfernung ruhig zu „begutachten“.
Die Handlungen des Pfützentrinkers sind hierdurch oft unfreiwillig komisch, wenn der Humor auch rabenschwarz ist. Doch wie es bei dieser Thematik nun einmal so ist: das Lachen bleibt bitter im Halse stecken. Das wäre einerseits nichts Neues. Und man möchte sich daran gewöhnen.
Andererseits fällt hier etwas ins Auge: Der Pfützentrinker denkt erstaunlich logisch. Seine Handlungen, wenn sie nicht rein emotional motiviert sind, entspringen sauberen Schlußfolgerungen (wenn diese auch oft genug Trugschlüsse sind). Nur fehlt es seiner Logik am sozialen und vor allem ethischen Fundament. Er kann also einfach nichts anderes, als gerade so zu handeln, daß er damit nur Befremden und Entsetzen auslöst.
Und dieses Moment läßt das Lachen wiederum auf eine ganz andere Art gefrieren, denn hinter der Handlung scheinen fundamentale Fragen durch.
Stimmungsvolle Illustration
Die Lesung wird durch ihren Rahmen mehr zu einer Illustration als zu einer bloßen Darbietung. Die Geschichte wird nicht nur durch Andreas Hauffe nachgerade vorgeführt, sondern auch durch Jochen Vogel mit den Klängen einer irischen Harfe, einer Cláirseach, musikalisch unterlegt.
In den Kapitelpausen gibt es so jeweils eine aufgelockerte Phase, in der die Geschichte allerdings wirken kann. Hierdurch entsteht ein überaus stimmungsvolles Gesamtbild vom Leben des Pfützentrinkers, das die Zuhörer wechselseitig fesselt, ekelt, schockiert, amüsiert – und in jedem Falle außerordentlich gut unterhält.
Campus-web Bonn
Diabolische Worte und göttliche Klänge
Zwischen Kloake und Groteske: Literarisch-musikalischer Abend “Ich kann jetzt auch Schweine” in Kunst & Bühne
Von Aneka Schult
CELLE. Sie kacken Haufen vors Haus, spucken gegen die Scheibe und pinkeln auf Äpfel - die Protagonisten von Andreas Hauffes “Pfützentrinker”, gelesen im Rahmen des Programms “Ich kann jetzt auch Schweine” in Kunst & Bühne. Allen voran der Titelheld. Dessen Mutter, Prostituierte, bezahlt beim schmierigen Vermieter mit horizontalen Künsten. Der Sohn wird Zeuge brutalster Existenz. Sein Gegengewicht ist Sadismus. Er quält den blöden Hubert, den “Doofen”, nach dem Verschwinden der Mutter Tante Gerda und am liebsten “quiekende Schweine”. Er übt sich als Schlachter, durchlebt alle Abgründe sexueller Triebe und so macht sein literarischer Vater, Hauffe, vor den abstoßendensten Perversionen nicht halt. Stichwort Leber.
Dieser bitter-tragikomische Plot, dessen Stärke aber in genau dieser bilderreichen, kompromisslosen Erzählmanier liegt, in der stakkatoartigen Detailfreude, die dem Abgrund nicht von der Seite weicht, stürzt den Zuhörer in ein Wechselbad der Gefühle. Verstärkt wird der Eindruck, allen Müll der Welt vom Autor vor die Füße gekippt zu bekommen, durch das Kontrastprogramm auf der Bühne. In wundervollen Tönen, keltischen bis indischen Klängen, jazzigen Impros, in zauberhaften Melodien, die auch mal an die Beatles und an Jane Birkins Skandalsong erinnern, entführt Jochen Vogel die Gäste auf der irischen Metallsaitenharfe Clairseach. Seit 200 Jahren ausgestorben, feiert sie zunehmend ihre Renaissance. Sinnlich. Schön. Göttliche Klänge hier, diabolische Bilder dort - ein spannendes Zwiegespräch.
Dass Hauffe, der gebürtige Salzgitteraner, Solokabarettist und Autor, mit Frau, zwei Katzen und Hund in einem gemütlichen Haus in der Nähe von Remagen wohnt, will man ob seiner knallharten Welt- und Liebesvergewaltigung kaum glauben. Doch hinter all der Gefühlskälte des Helden schwingen die Schicksalsfäden, gewebt aus Liebesentzug, Einsamkeit und Beziehungslosigkeit mit. Die einzige Liebesprojektion, Marie, ist unerreichbar. Das offene Ende wird mit Knast und Psychiatrie erkauft.
Die Welt in Hauffes Geschichte bewegt sich zwischen Kloake und Groteske, Hartherzigkeit und verletzter Seele. Beim Lieblingslied seiner Mutter - Hauffe spielt selbst Gitarre - muss sein Held fast weinen. “Ich sammle Enttäuschungen”, sagt eine Figur, “hütet euch vor Hinterher” eine andere. Die leisen Töne berühren. Und die weggelassenen.
Cellesche Zeitung 04.02.2009
Zum Psychopathen ist es nur noch ein kleienr Schritt
Tiefschwarzes von Andreas Hauffe im Horster Harlekin
Von Patricia Chadde
HORST. Er ist ein exakter Beobachter. Bereits die kleinste Regung im Gesicht seiner Tante verrät ihm, dass seine Mutter tot ist. Beinahe telepathisch wirken seine Fähigkeiten, doch Mitgefühl scheint ihm unmöglich. So haben seine Erkundungen einen manchmal absurden, mitunter auch erschreckend brutalen Charakter. Andreas Hauffe wagt sich mit seinem Text “Ich kann jetzt auch Schweine” in die Gedankenwelt eines Psychopathen und vermittelt, dass die Distanz zwischen “normal” und Killer sehr schmal sein kann.
Elegant gebaute Sätze mit gelungenen Pointen entführen die Besucher im Horster Harlekin in die verschobene Weltanschauung der Hauptfigur, in der sich harmlose Begebenheiten zu Katastrophe entwickeln.
“Die Story ist absurd, aber es kommt einem nicht so vor”, resümiert ein Zuhörer. Hauffes schwarzer Humor kommt beim Publikum an, das sich während der brillanten Stücke des Harfinisten Jochen Vogel zwischen den Kapiteln entspannen kann.
Hannoversche Allgemeine Zeitung 02.02.09
Reisen durch die Welt? Höchstens in Gedanken!
"Hiergeblieben" heißt das Programm, mit dem der Remagener Kabarettist Andreas Hauffe sein Publikum im Talbahnhof von den Werten und Vorteilen des Nicht-Reisens Überzeugen will. Nach der Show auf nach Phuket. . .
ESCHWEILER. 60 Millionen Pauschalreisen jährlich, die 59 Milliarden Euro ins Ausland bringen. Das muss doch nicht sein. Findet zumindest Andreas Hauffe. Der Kabarettist aus Remagen gastierte im Talbahnhof, um auch die Indestädter zu überzeugen, dass es zu Hause doch am schönsten ist (...) So berichtet Andreas Hauffe aus eigener Erfahrung, dass die Erkundung des "Ahrwanderweges" ein wahrlich erhebendes Erlebnis sei. "Außer uns (seiner Frau und ihm) waren noch tausende andere Menschen da", blickt er zurück. Und erinnert sich, auch noch eine völlig neue Sportart kennengelernt zu haben: Gehen ohne Stöcke. "Am Anfang etwas schwierig, doch man gewöhnt sich daran", so sein Urteil. Und dies sei doch um vieles besser, als in der Weltgeschichte umherzureisen, nur um beim Bustransfer vom Flughafen zum endgültigen Bestimmungsort Todesangst vor dem Sturz in die nächste Schlucht zu verspüren.
Um das Reisen gänzlich aufzugeben, müsse allerdings das ganze Buch gelesen werden. Und die CD, die im Umschlag stecke, gehört. Auf dieser hat Andreas Hauffe sein musikalisches Talent in die Waagschale geworfen und einen nach eigenem Bekunden wahren Ohrwurm verewigt. Dieser heißt überraschenderweise "Hiergeblieben" und ist Teil eines "genialen Verkaufskonzepts", wie der 53-Jährige in aller Bescheidenheit betont.
Die einzigen Fernreisen, die Andreas Hauffe akzeptiert beziehungsweise akzeptierte, sind die Gedankenreisen seines verstorbenen Großvaters Hanns (mit zwei n). Diesem gelang es durch reine Vorstellungskraft, sich zu den Indianern Amerikas, den Schönheiten Haitis oder nach Bielefeld zu Tante Rosie zu begeben. Der Besuch von Tristan und Isolde in Oslo sei allerdings keine Reise wert gewesen, bemängelte Opa Hanns.
In eigener Sache gibt es für Andreas Hauffe nur eine Ausnahme. Wenn sein Verleger ihn auf Kosten des Verlags ins thailändische Phuket einlädt. Natürlich geschäftlich, nicht zum Urlaub. Dann muss auch schon einmal die Zugabe ausfallen. "Das Flugzeug wartet schließlich nicht", so die einleuchtende Begründung des dann doch nicht Hiergebliebenen. (ran)
Darum ist es daheim so schön
Kabarett im Apex: Andreas Hauffes “Reiseverhinderungsprogramm”
von Gero Franitza
Fragwürdige Billigflieger, siuzidale Busfahrer am Urlaubsort, der frühmorgendliche Kampf um den besten Platz am Pool, die Großbaustelle vor dem heruntergekommenen Hotelzimmer, endlose Staus auf der Autobahn oder der Urlaubsflirt der Ehefrau - alles gute Gründe daheim zu bleiben. Sagt und singt Andreas Hauffe. Der Kabarettist, Musiker und Schriftsteller aus Remagen gastierte am Sonnabend mit seinem Programm “Hiergeblieben - Das Reiseverhinderungs- programm” in der Göttinger Galerie Apex. Unter anderem mit hübschen kleinen Liedern, aber auch zuweilen drastischen Schilderungen, macht Hauffe die Lust an der Urlaubsreise madig.
Keine Frage: Warum in die Ferne schweifen, wenn dort Tod, Not und Entbehrung lauern? Doch sind es nicht die großen Brüller, sondern die kleinen, liebevoll platzierten Seitenhiebe, die das Programm des Kabarettisten so unterhaltsam machen: Als Dörfler mit Schriftsteller-Ambitionen tritt Hauffe auf und gibt voller Unschuld die als Gemeinheiten maskierten Beschreibungen einer Realität zum Besten, die wohl die allermeisten schon einmal durchlitten haben. Auch vergisst Hauffe nicht, dann und wann politisch zu werden, angemessen sarkastisch (Haustiere vor Reiseantritt entsorgen) oder komisch (Gehen ohne Stöcke - für viele eine Herausforderung). Oder gar poetisch: Etwa wenn er er von seinem Opa Hanns erzählt, der die schöne Fähigkeit besaß, Gedankenreisen zu unternehmen, um dem Alltag zu entfliehen; oder den erlebten Kriegsgräuel.
Ein feiner kleiner, vor allem aber entspannender Abend, der schneller um ist, als es einem die Uhr weismachen will. Und den das Publikum mit viel dankbarem Applaus quittierte.
Göttinger Tageblatt 15. 09. 2008
Kabarettist Hauffe kann auch ernst sein
Der Autor präsentierte bei der “Leselust” sein Programm “Ich kann jetzt auch Schweine” und las aus seinem Roman “Der Pfützentrinker”
Aachen. Der Abendhimmel blitzt durch das grüne Blätterdach des großen Ahorns auf dem Lousberg , unter dessen Schutz sich rund 70 Literaturfreunde einen Platz auf Stühlen, Kissen und Decken gesucht haben.
Wieder ist die vom Literaturbüro der Euregio Maas-Rhein veranstaltete «Leselust» angesagt und alle warten auf den Vorleser des Abends und dessen Programm «Ich kann jetzt auch Schweine».
Andreas Hauffe schiebt sich unauffällig, fast bescheiden hinter das kleine Tischchen, rückt die Lesebrille zurecht und freut sich über die zahlreich erschiene Zuhörerschaft am lauen Sommerabend. Er schreibt nicht nur Bücher für Kinder und Erwachsene, der 53- jährige gebürtige Salzgitteraner verdient seinen Lebensunterhalt auch als Kabarettist und Fernsehautor und wohnt nach eigenen Angaben mit seiner Frau, einem Hund und zwei Katzen in einem Haus auf einem Berg in Remagen.
Beschaulich und gemütlich hört sich das an, nach langen Abenden am Kamin, die Katze auf dem Schoß, doch das was unterm Ahorn zu hören ist, klingt ganz und gar nicht nach heimeligen Stunden am Kamin.
Hauffe liest aus seinem noch unvollendeten Roman mit dem Arbeitstitel «Der Pfützentrinker», der Geschichte eines Jungen ohne soziale Bindungen, einer, der auch als Erwachsener nie die Chance bekam richtig erwachsen zu werden. «,Der Pfützentrinker´ ist eigentlich aus einer Kurzgeschichte entstanden, die ich vor Jahren geschrieben habe und die mir bei neuerlichem Lesen als perfekter Schluss für einen Roman erschien», erzählt der Autor.
Schon die ersten Sätze lassen aufhorchen: Da ist von einem Jungen die Rede, dessen Mutter sich als Prostituierte den Lebensunterhalt verdient und sich auf diese Weise auch schon mal einen Monat Wohnen vom ekligen Vermieter erkauft. Zeuge all dessen ist der, zum Zeitpunkt des Handlungsbeginns, neunjährige Junge, ihr Sohn.
Er ist die Stimme im Roman, das Auge, durch das die Leser die Stationen dieses tragikomischen Lebens wahrnimmt. Anfänglich bahnt sich Gelächter Einzelner aus der Zuhörerschaft den Weg bis in die vorderen Reihen der Plastikbestuhlung, doch entweder haben die Lacher die Veranstaltung vorzeitig verlassen, oder begriffen, dass da keine Komödie vorgetragen wird.
In stakkatoartigen Sätzen knallt die Lebensgeschichte des Pfützentrinkers auf die Zuhörerschaft nieder, innerer Monolog wechselt mit knapper situativer Beschreibung, Tragik mit Komik und dann gibt es doch wieder was zu lachen. Etwa die Geschichte, mit dem Vibrator, den der Junge seiner Tante zum Geburtstag schenkt, weil die nichts zum Hinstellen haben will, und der dann vom Hund aus dem Versteck wieder brav hervorgeholt und der armen Tante im Kreise ihrer Besucherschaft apportiert wird.
Oder die Metzgergeschichte, aus der der Titel des Programms mit den Schweinen stammt. Dann ist da noch die Sache mit der Leber. Parallelen zum französisch - kanadischen Film «Leolo» von Jean-Claude de Lazon sind dabei unübersehbar und der Autor macht kein Hehl aus dessen inspirierender Wirkung, die er auch auf seinen Helden überträgt.
«Man erfährt viel durch Weglassen», sagt der Autor, dementsprechend verzichtet Hauffe auf lange Beschreibungen oder Psychologisierungen von Situationen und Personen und vertraut dabei auf das Zu-Ende-Denken seiner Zuhörer- und späteren Leserschaft. Das mache aber auch das Schreiben sehr anstrengend, bekennt der Autor.
Für die Literaturfreunde, die dem Autor mit viel Applaus dankten, geriet diese Lesung jedenfalls zu einem Wechselbad der Gefühle.
Aachener Nachrichten, 26.07.08
Der Tod kommt, wenn man ihn nicht braucht
Kabarettist Andreas Hauffe zeigt: Sterben muss kein ernstes Thema sein
ALTDORF - Liegt der Bauer tot im Zimmer -lebt er nimmer. Ganz im Stil einschlägiger Kalauer beginnt Kabarettist Andreas Hauffe sein Programm im Altdorfer Leibniz-Gymnasium.
Wer nun aber einen Abend voller oberflächlicher Lächerlichkeit fürchtet, sieht sich bald auf angenehme Artüberrascht."Haben Sie schon Ihr Testament gemacht?", fragt er. In der fast ausverkauften Mensa des Altdorfer Leibniz-Gymnasiums sind jene, die dies bejahen, in der Unterzahl - wie immer. "Der Deutsche ist im tiefsten Inneren von seiner Unsterblichkeit überzeugt", sagt Hauffe. Er beschimpft den Tod, er beschreibt ihn öffentlich, und er besingt ihn: "Der Tod ist ein Charakterschwein, der sucht seinesgleichen, was muss das für'n Charakter sein, geht ständig über Leichen." Die leichte und beschwingte Melodie verdrängt sofort das Schaudern, aber dann holt Hauffe sein Publikum gleich wieder auf den wackeligen (Bühnen-)Boden.
Kurz vor Schluss wird es richtig ernst: Hauffe stimmt ein Lied für eine in jungen Jahren verstorbene Freundin an. "Da gehen manche Menschen ein bisschen geknickt raus und sind dankbar, dass bei dem Thema nicht nur rumgekaspert wird", sagt er.
Nürnberger Nachrichten, März 2008
Kabarett mit ungewöhnlichem Tiefgang
Andreas Hauffe brilliert auf der Bühne der Remagener Kulturwerkstatt
Der Künstler kommt hart am Rande des Schwarzen Humors daher
REMAGEN. KreuTzweise heißt das Programm, das der Remagener Kabarettist Andreas Hauffe in der Remagener Kuturwerkstatt vorstellte. Mit dem Tod setzte sich Hauffe in Remagen auseinander, für einen Kabarettisten ein seltenes Begehren. Hart am Rande des Schwarzen Humors kam Hauffe daher, wenn er die Beziehung der Politiker zum Freitod aufs Korn nahm. Der deutsche Politiker bringt sich nicht gerne um - eigentlich schade.Von unglaublicher Ehrlichkeit und Genauigkeit allerdings waren seine Dichter- und Denkerzitate. So Einstein: Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit - beim Universum bin ich mir aber nicht so sicher. Gekonnt lockerte der Kabarettist sine nicht immer leichte Kost mit musikalischer Würze auf. Hauffe spielte gelassen mit dem so schwierigen Thema, führte den Kabarettfreund aber grundsätzlich an die Vielfalt der Sprache heran und scheute auch nicht vor dem Besonderen zurück. Wenn er zum Beispiel das Beamtendeutsch und dessen tiefgängige Logik bemühte: “Stirbt ein Bediensteter währennd einer Dienstreise, so ist die Dienstreise damit beendet.
Generalanzeiger Bonn, November 2007
Mit politischem Rundumschlag
Plädiert fürs Daheimbleiben: Kabarettist Andreas Hauffe
ALTDORF – Der Kabarettist Andreas Hauffe gastierte vergangenen Mittwoch mit seinem Reiseverhinderungprogramm „Hiergeblieben!“ im Leibniz-Gymnasium. Auf Einladung engagierter Lehrer und der Freundes des Gymnasiums erläuterte der in Bonn verwurzelte Kabarettist zahlreiche Gründe für den Heimaturlaub, dem, um bundesrepublikanische Kassen zu füllen, in Zukunft der Vortritt gewährt werden solle. Auf der Bühne Präsenz und Plastizität des verkörperten Charakters beweisend, spielte Hauffe den Schriftsteller Hauffe, kurz sich selbst, in freudiger Erwartung auf seinen zukünftigen Verleger. Im szenisch dargestellten Telefongespräch mit seiner Angetrauten war sich der abgeklärte Schreiberling nicht zu schade, auf die Frage ob Menschen in Bayern „anders“ aussehen einzugehen und diese zur Zufriedenheit des anwesenden Publikums zu beantworten. Auf der gut ausgeleuchteten aber spärlich bestückten Bühne genügten dem Rheinländer Bistrotisch, Gitarre und ein bis an den Rand gefülltes Rotweinglas als Requisiten. An den Bistrotisch gelümmelt monologisierte Hauffe als Hauffe über das Verreisen im 21. Jahrhundert ohne auf einen politischen Rundumschlag zu verzichten. Kanzlerin Angela Merkel fand einen Platz im Programm des Kabarettisten, als er sich in überzeugend ironischer Manier über seine neuerdings „so herrisch“ gewordene Gattin beklagte, die ihn, um ihm ein seriöses Auftreten als Schriftsteller zu ermöglichen, mit allerlei intellektuell anmutenden Accessoires ausstattete. Im Bewusstsein um die derzeitige Situation der deutschen Literaturlandschaft verzichtete der Bonner auf einen dem „Blechtrommler“ Günther Grass ähnlichen Schnauzer, verpasste aber die Gelegenheit, eine an Bert Brecht angelehnte Arbeitermütze zu tragen, nicht. Ganz den neuerdings oktroyierten Zwängen des Literatendaseins gerecht werdend, stand Rotwein im Mittelpunkt, wurde vom Literaten jedoch auf sein trauriges Requisitendasein reduziert, verschmäht und prompt auf die Spesenrechnung des erwarteten Verlegers gesetzt. Hauffe gelang esspielerisch, das anwesende Publikum mit Zuhilfenahme der Gitarre für seine eigentliche Absicht, die dem Titel des gleichnamigen Buches „Hiergeblieben“ zu entnehmen ist, zu begeistern. „Wir bleiben hier, hier ist es schön / Wir müssen nicht auf Reisen gehen, / Wir wollen Fernsehen Tag und Nacht / Bis wir um den Verstand gebracht“ sang Hauffe zur Verdeutlichung der politisch korrekten deutschen Reisementalität. Warum im Zeitalter von Tsunamis, insolvenzanmeldenen Reiseveranstaltern, internationalem Terrorismus, Flugzeugabstürzen oder gar Sextourismus, um nur die überzeugendsten Gegenargumente Hauffes zu nennen, die Grenzen des angestammten Heimatlandes verlassen? Als Lösung aller wirtschaftlicher Probleme bleibt uns Deutschen somit nur noch der Heimaturlaub, ganz im Sinne von Hauffes Sentenz „Statt nicht mehr rauchen, nicht mehr reisen!“, um das Kapital innerhalb der Grenzen unserer vielfältigen und wunderschönen Nation „einzufrieren“. Realistisch betrachtet könne das Volk der Dichter und Denker, das mit Hauffes Werk die passende gewissensberuhigende literarische Vorlage fand, jedoch nur durch eingängige Propaganda für den Balkonienurlaub gewonnen werden, propagierte der Bonner Kabarettist. Unterstützt von Merchandisekampagnen solle sein Werk die „Reiseroute“ über inländische Buchhandlungen in die häuslichen Regale nehmen, ereiferte sich Entertainer Hauffe, der werbewirksamen Socken den Vortritt vor CDs gewährt. Die Freunde des Leibniz luden mit Hauffe einen brillanten, dem trockenen rheinischen Humor frönenden Spaßmacher ein.
Der Bote 2007
Die Last mit der Reiselust
Unterhaltsamer Abend im Walzwerk
Mit teils makaberen Anekdoten versucht der Kabarettist Andreas Hauffe, sein Publikum von Urlaubsreisen abzuhalten.
VON BRITTA HAVLICEK
Pulheim - Mit gehetztem Blick kam Andreas Hauffe auf die Bühne. Der Remagener Kabarettist gastierte am Freitagabend mit seinem neuen Programm „Hiergeblieben!" im Walzwerk. Als Hobbyschriftsteller wartete er dort auf einen Verleger und gab Kostproben seines Schreibens - natürlich nicht ohne immer wieder abzuschweifen.
Keim aller Probleme
Sein Manuskript und damit auch sein Groll richteten sich gegen die Millionen Deutschen, die jährlich, wie Hauffe mit entrüstetem Gesichtsausdruck berichtete, „59 Milliarden Euro im Ausland lassen. Ja, sind die denn bekloppt?!" Mit der Reiselust der Deutschen hat Hauffe auch den Keim sämtlicher Probleme im Land herausgefunden: „Wenn die alle mal zwei Jahre lang zu Hause bleiben würden, dann würde jetzt nicht die Mehrwertsteuer erhöht."
Verreisen bedeutet ausschließlich Stress, und der fängt schon beim Versorgen der Haustiere an. „Kanarienvögel kann man ja einfach fliegen lassen, Goldfische das Klo runterspülen", behauptete Hauffe. Aber wenn man Katzen oder Hunde auf Rastplätzen aussetzt und nicht richtig anbindet, „dann kann man Pech haben, dass sie sich losreißen. Dann hat man bei der nächsten Reise dasselbe Problem."
Wie sich ein Passagier fühlt, dessen Flugzeug abstürzt oder der in einem türkischen Transferbus ohne Bremsen sitzt, stellte Hauffe zum Vergnügen der Zuschauer sehr anschaulich dar. Und andere Katastrophen ließ er als Abschreckungsmittel nicht aus: „Tsunami, Hurrikans, ganze Terroristengruppen, die in Hochhäuser fliegen..."
Makaber, ironisch und mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern setzte sich der Comedian in Szene. Und dann griff er zur Gitarre und forderte singend die Zuschauer auf: „Hiergeblieben und nicht rumgetrieben!"
Ein besonderes Schmankerl waren die Limericks, die Hauffe mit Städtenamen kreierte - als vermeintlicher Beifahrer in einem Auto, das eine Frau in Schneckentempo bewegt. „Ein Kannibale aus Essen/ behandelt seine Frau angemessen:/ in der Wanne ertränkt,/ in der Pfanne geschwenkt/ - und schon ist die Sache gegessen!"
Ob Hauffe sein Pulheimer Publikum tatsächlich davon überzeugen konnte, nie wieder ins Ausland zu verreisen und daheim zu bleiben, ist zu bezweifeln. Tatsache ist aber, dass er es mit seinem Humor und seinem witzig-charmanten Auftreten schaffte, das Publikum über eineinhalb Stunden mit einer äußerst lustigen und unterhaltsamen Show auf Trab zu halten.
Lachen über den Tod
Am 18. Mai durften wir einen wunderbaren Abend im Rex-Theater mit dem Kabarettisten Andreas Hauffe erleben: „KreuTweise zum Tod lachen“. Wunderbar, weil wir Zuschauer die Möglichkeit hatten, befreit zu lachen., trotz des Themas, um das sich alles drehte, trotz des Todes. Welch skurrilen Einfälle! Und welch skurrilen Beispiele aus Anleitungen und Vorschriften: eine Verhaltensanleitung für den Fall, dass sich eine Anakonda daran macht, Sie zu verspeisen. Oder der Hinweis einer aus einer Dienstanleitung, dass „der Tod die stärkste Form der Dienstunfähigkeit“ sei. Dann die Aufzählung von Selbstmordmotiven, vor allem das Motiv Alltagswahnsinn (weil der Margarinedeckel immer aufs Gesicht fällt). Und daneben in beeindruckender leiser Poesie der Grund eines Selbstmordgetriebenen, doch alle seine Lieben zu überleben: sein Gewissen hält ihn ab. Diese leise Poesie, auch in einem Brief an die geliebte Frau, viel zu jung gestorben, zeigte die andere Seite des Abends auf: Wir müssen dem Tod auch Respekt zollen! Dieser Abend war eine Wohltat für das Zwerchfell und für die Seele!
Wenn Opa Hans innerlich verreist
Andreas Hauffe präsentiert durchwachsenes Solo-Programm „Hiergeblieben”
Peiner Allgemeine Zeitung vom 25.11.05
Reiselust gründlich verdorben
von Adele W. Wischner
Ein Kabarettprogramm über das naturgemäß nicht gerade brüllend komische Thema „Tod“ zu schreiben, gehört sicher nicht zu den einfachsten Aufgaben eines Komödianten. Auch Andreas Hauffe war sich seiner Sache anscheinend nicht ganz sicher. Bevor der Kabarettist mit seinem neuen Programm „Kreutzweise“ auf Tour geht, testete er es auf Lacherfolge. Seine Zweifel jedoch erwiesen sich als unberechtigt – gilt das Publikum im Alten Nordbahnhof als Maßstab, kann er die Tourplakate getrost in den Druck geben.
Kölner Stadtanzeiger Nr. 118 / 22.05.03